Bericht Trackday DSK Nordschleife

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Nach der Saison ist vor der Saison. Deshalb juckt auch sofort der linke Fuß, sobald der DSK im November die Termine für die neue Saison im neuen Jahr auf der Website freigibt.

Aber Nordschleife im April? Da kommt man schon massiv ins Grübeln. Es herrscht in der Eifel eh schon immer jedes Wetter zu jeder Jahreszeit. Die Pensions-Mama in Herresbach erklärt dann bei der Anreise auch noch in ihrem netten Eifel-Platt „Schaltjah issa Kaaltjah“. Aber was eine alte Bauernregel ist, enthält natürlich gerade in der Eifel immer auch ein Fünkchen Wahrheit.

Es ist kalt und nass an diesem Morgen. Sonne Fehlanzeige.

Wie beim DSK üblich, gibt es zwei Startgruppen, die in festgelegten 45-minütigen Stints auf die Strecke dürfen. Aber vorher müssen wir, wie immer, die „bürokratischen Hürden“ nehmen. Alles braucht seine Richtigkeit.

Natürlich hatten wir die per Email erhaltenen Unterlagen für die Anmeldung am DSK Zelt nicht dabei, aber die nette Frau im Bus war direkt zur 160407-Trackday Nordschleife RENNSTALL-Veranstaltung-7945Stelle. Im Zelt erhalten wir zackig Startnummern für’s Auto, Transponder und den DSK „Hugo Emde – Freies Fahren“- Aufkleber für die Frontscheibe. Diese werden bei jeder Auffahrt auf die Strecke von den Marschalls gecheckt, damit sich nicht jemand reinschmuggelt. Jetzt wird auch der Haftungsverzicht schnell unterschrieben. Es ist immer ein bisschen wie Software installieren, eigentlich will man das ja nicht unterschreiben, aber ohne geht’s leider nicht.

Nachdem wir alle regulatorischen Maßnahmen erfolgreich hinter uns gebracht haben, muss auch unser guter E30 getrimmt werden:

  • Startnummern auf die rechte Seite kleben: check!
  • Transponder angebracht: check!
  • Frontscheiben Kleberchen sitzt: check!

Somit alles grün für die Fahrerbesprechung.

Es gibt Hinweise auf die Tücken der Strecke (gerade im Nassen), die tagesaktuellen Besonderheiten mit kleinem Wetterbericht, die Flaggensignale auf der Strecke, die Helmpflicht für Fahrer und Beifahrer und nicht zu vergessen: Ein freundliches „Viel Spaß“ an alle Teilnehmer.

Da wir in der zweiten Startgruppe zu Hause sind, haben wir nun noch gute 45 Minuten Zeit über den Parkplatz zu flanieren und uns einen Eindruck von den vorhandenen Mitspielern und deren Sportgeräten zu verschaffen. Ja, da war doch Einiges am Start, was auch einen zweiten Blick wert ist.

Neben den üblichen Porsche in allen Varianten und Ausbaustufen, den M3’s aller Generationen und den Rennsemmeln aus dem Hause Renault, Mini und Co., sind es immer die Exoten und Oldies, die unsere Aufmerksamkeit erregen.

Von Toyota Corolla AE86 über Lotus Exige, bis hin zum Lamborghini Huracán, ist alles am Start. Der Golf 1 im Racetrimm ist der mega Knaller.

Einmal um den Parkplatz an der Grünen Hölle und schon sind die 45 Minuten fast um. Der Zeitplan bei gruppenbasierten Trackdays ist stramm, viel Spazieren ist hier nicht. Unser treuer und fleißiger RENNSTALL 318iS aus dem Jahre 89, möchte für unseren ersten Stint noch kurz angefasst werden.

Schnell den Luftdruck der Semis und Öl gecheckt – alles gut! – Helm auf den Kopf und ab geht’s.

Noch immer keine Sonne. Die Gruppe 1 hat es auch nicht geschafft die Strecke trocken zu fahren. Zugegeben, es ist nicht leicht bei 6-7 Grad Lufttemperatur, aber das wissen wir ja, denn schließlich ist „Schaltjah“.

Erste Runde mal ganz langsam angehen lassen und vorsichtig die Grüne Hölle erkunden – wir tun schon fast jungfräulich.

Ein kleines Rinnsal hier, eine weitere Pfütze im Anbremsbereich dort, Licht, Schatten, trocken, nass, die 20.832 Meter Nordschleife hielten mal wieder alles bereit, was für Adrenalin sorgt, vor allem wenn man kein ABS, keine Schlupfregelung und auch kein Stabilitätsprogramm an Board hat, dafür aber die scharfen Semislicks fährt.

Bis zur Ausfahrt Schwalbenschwanz war alles in Butter, doch plötzlich, auf der kleinen Kuppe, welche vorher nie besonders auffällig war, will unser Heck unbedingt nach rechts abbiegen, wo wir doch eigentlich geradeaus wollten. Gegenlenken, etwas zu grob aus dem Gas, nochmal Gegenlenken, naja, das Heck geht durch den Dreck und eine Zehntelsekunden später macht es, Patsch!

Wir hängen an der Planke. Shit happens!

Aber immerhin haben wir so „geparkt“, dass wir keine gravierende Störung des Betriebes auf der Strecke verursacht haben.

Dann wollen wir den Karren mal aus dem Dreck fahren. Leichter gesagt als getan. Das nasse Gras unter den Dunlops hat etwas dagegen. Nach ein paar Minuten bekommen wir durch Muskelkraft des Beifahrers den Karren raus. Das angeschlagene BMWchen humpelt jetzt erst mal zurück ins provisorische Fahrerlager am Touriparkplatz um die Wunden zu lecken.

Bilanz:

  • Stoßstange hinten angeknackst,
  • kleine Delle über der Stoßstange,
  • Kratzer am hinteren Kotflügel,
  • Kratzer an der Tür,
  • Kratzer am vorderen Kotflügel,
  • Felge vorne links angeschrammt.

Aber:

  • Spiegel noch dran,
  • Rückleuchte ok,
  • Auto läuft gerade,
  • Lenkung funktioniert normal,
  • Fahrwerk und Querlenker keine Schäden.

Damit war unser erster Stint zwar durch, aber wir haben zumindest gelernt, dass unser Differential dringend eine Überholung braucht. Immerhin etwas. Ok, da war ja noch die Leitplanke die wir berührt hatten. Kurzum, die hat nur gelacht, also keine Schäden am Kurs. Selbst solche Kleinigkeiten muss der Teilnehmer dem Veranstalter melden. Kurz den Kopf in den DSK-Leitzentralen-Bus gesteckt und schon steht ein junger Mann zur Verfügung, der den Schaden fleißig und genau dokumentiert. Bildchen vom Fahrzeug werden erstellt und nach 5 Minuten und einer netten Talkrunde geht’s weiter.

Nicht ganz, wegen der angeschrammten Felge vorne links haben wir beschlossen, die Straßenreifen zu montieren. Einen weiteren Einschlag wegen eines geplatzen Reifens wollten wir dann doch vermeiden.

Noch ein bisschen Klebeband hier und da und der gute E30 ist wieder „ready to race“.

Wie heißt es immer schon schön: Narben bilden den Charakter.

Ein kurzer Blick auf die Uhr, auf den Zeitplan und wir stellen fest, wir haben noch nicht mal unseren zweiten Stint verpasst. Also Helm wieder auf, Sonnenbrille ins Gesicht, inzwischen braucht man die auch, und zurück auf die Strecke.

Wenigstens für zwei Runden, dann bohrt sich ein Carrera im Streckenabschnitt Kallenhard so in die Planken, dass die Strecke gesperrt wird.

Fazit: Porsche Schrott, Fahrer aber wohl auf und wir haben Pause.

Inzwischen zeigt sich die Eifel von ihrer schönen Seite. Sonne, blauer Himmel, eigentlich wäre jetzt das perfekte Semi-Wetter, aber nein, wir lassen das mal lieber und helfen der Pilotin des blauen E30. Typische Probleme mit der Spritversorgung stehen hier auf der ToDo-Liste. IMG_2371

Kaum hat man den Kopf in der Motorhaube des anderen, schon sind sie da die anderen E30 Fahrer. Gleich und gleich gesellt sich gerne und hilft einander, so macht das Spaß.

Während wir noch im Gespräch mit den Jungs und Mädels aus dem Sauerland sind, schleicht sich „Opi aus Mannheim“ langsam an. Er beobachtet, analysiert alles haargenau, geht auf Tuchfühlung und merkt – Ahh, gute Jungs! Der nette und aufgeschlossene Herr hat Fragen zum RENNSTALL 318is, die wir ihm gerne direkt beantworten. Die beste Frage ist: „Wie ist das denn mit dem geschüsselten Lenkrad, meine Arme werden immer kürzer?“. Alles war geklärt. Opi lehnt sich etwas zurück und sagt lässig in die Gruppe: „Also ich habe mir das hier alles gerade mal angesehen, den schnellsten E30 heute habe ich. Aussehen tut bei mir alles wie Serie, aber der E30 hat etwas mehr als 180 PS, und richtig leicht ist er auch. Kurbelwelle, Kolben, Nockenwelle, Benzinzufuhr und Auspuff sind optimiert – weisste ich mache das hier schon ein paar Jahre.“ Die Gespräche sind grossartig! Der erklärt weiter, wie er seinen „Mommener“-Bezindruckregler im Schraubstock quetscht um die Lambda etwas fetter zu bekommen und alles über eine Breitbandsonde auf der Autobahn einstellt.

Ein Denker, ein Schrauber, ein Autofahrer, unfassbar.

Es geht es gleich wieder los.

Jetzt noch kurz die Fahrzeuge der anderen Startgruppe begutachten, denn sonst bekommt man die Kollegen von Gruppe 1 leider nicht im Detail zu sehen.

Inzwischen ist die Strecke auch im Kallenhard wieder soweit repariert, dass es weiter gehen kann.

Die letzten beiden Stints sind dann fast schon normal. Keine größeren Störungen und es ist auch lustig die Grenzen des UniRoyal Rainsport 3 Reifens zu erkunden. Und dann kommt er, der Opi aus Mannheim mit heißem Motor und warmen Semislicks. Wir sehen ihn nur im Rückspiegel anfliegen, setzen Blinker rechts, wie ein Porsche GT3 an einem Trabbi auf der freien Autobahn gehts links an uns vorbei. Opi zieht seinen BMW um’s Eck wie auf Schienen, dem haben wir mit Strassenreifen und Serienmotor nichts entgegenzusetzten. Macht aber auch nichts. Wer kann, der kann und insgeheim wünschen wir uns in dem Alter auch noch so schnell zu sein.
Wir drehen unsere vorletzte Runde zum Abschied und verlassen die Nordschleife.

Noch eine letzte Runde über den Parkplatz, Fotos machen, quatschen und letzte Eindrücke sammeln. Transponder abgeben nicht vergessen! Schon neigt sich ein toller Tag mit schwierigem Anfang seinem Ende entgegen.

Unsere Bewertung für diesen Trackday:

Kommunikation:

4-Scheiben-H30

 

 

Kosten der Teilnahme:

5-Scheiben-30H

 

 

Fahrzeit:

3-Scheiben-H30

 

 

Fahrerbesprechung:

4-Scheiben-H30

 

 

Service vor Ort:

3-Scheiben-H30

 

 

Catering:

0-Scheiben-H30

 

 

Ansprechpartner vor Ort:

5-Scheiben-30H

 

 

Atmosphäre:

4-Scheiben-H30

 

 

Gesamtwertung:

3-5-Scheiben-H50

 

 

 

Alle Infos über die Bewertungkriterien findet Ihr hier: RENNSTALL-Bewertungssystem

 

RENNSTALL-Index: 111

Alle Infos den RENNSTALL-Index findet Ihr hier: RENNSTALL-Index

 

Für das „kleine“ Budget, einfach ein toller Tag!

Danke an den DSK e.V. und alle Teilnehmer, wir kommen sicher wieder.

Alle Bilder der Veranstaltung findet Ihr in unserer Fotostrecke Trackday DSK Nordschleife.

Und natürlich gibt es auch das Video Trackday DSK Nordschleife.

Eine Antwort

  1. Peter Luck
    | Antworten

    Ein absolut super Tag.
    Bin auch eine Race Opa aus der Schweiz mit einem Megane 3RS ( St. Nr: 216 )

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